Transalp 2011 Drucken E-Mail

Mit dem Mountainbike durch die Berge: Transalp 2011

 

Nach den beeindruckenden Erlebnissen der Alpentour im vergangenen Jahr stand ziemlich schnell fest: Auch 2011 überqueren wir wieder per MTB die Alpen.

Am 2. September war es soweit. Acht Biker machten sich per Bahn auf den Weg nach Oberstdorf im Allgäu, dem diesjährigen Startort unserer Alpenüberquerung in acht Etappen bis nach Riva am Gardasee.

Bikes und Ausrüstung wurden wieder vom bewährten Begleitteam – Arne und Ulla vom Cycle-Team in Buchholz – zum Startort transportiert. Als wir bei strahlendem Sonnenschein in Oberstdorf eintrafen, erwarteten uns im Hotel bereits die von Arne startklar montierten Mountainbikes und luden zu einer kurzen spätnachmittäglichen "Aufwärmrunde" ein. Die 13 km-Spritztour hoch zum Freibergsee mit Anstiegen bis 20% boten schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf das, was noch so kommen sollte.

Im Oberstdorfer Hotel nächtigten übrigens auch die Nordischen Kombinierer vom DSV – ein gutes Omen für sportliche Höchstleistungen.

Nach einem zünftig bayerischen Abendessen und einer erholsamen Nacht über den Dächern von Oberstdorf wurde es am nächsten Morgen ernst. Bei wolkenlosem Himmel lockte Etappe 1, die uns über den Schrofenpass, Warth, Lech, Rauhes Joch/Freiburger Hütte nach Braz im Klostertal / Voarlberg führen sollte. Der Schrofenpass, Grenzpass zwischen Deutschland und Österreich, hatte bereits im Vorfeld große Spannung ausgelöst. Diese teilweise sehr schmale, in den Fels geschlagene Trasse ist nicht fahrbar und lässt sich nur mit geschultertem oder geschobenem Bike passieren. An besonders kritischen Stellen sind Stahlseile an der Felswand zum Festhalten vorhanden. Nach lockerem Einrollen bei stetig zunehmender Steigung erreichten wir nach gut 20 km diesen ersten Höhepunkt. Alle Fahrer bewältigten diese kritischen 2 km ohne Zwischenfälle. Weiter ging es Richtung Freiburger Hütte, dem mit 1.900 m höchsten Punkt der 1. Etappe. Die Abfahrt zum Etappenziel in Braz enthielt nochmals eine steile ca. 3 km lange Schiebepassage, die fast allen die letzten Körner kostete.

Etappe 2 führte uns von Braz nach Galtür in den Tiroler Alpen. Wir starteten wieder bei Sonnenschein, und nach nur wenigen Einrollkilometern ging es gleich zur Sache: Über den Kristbergsattel (knapp 1.500 m) fuhren wir ins schöne Schruns im Montafon. Von dort ging's weiter Richtung Silvretta, am Kops-Stausee vorbei, über das Zeinisjoch (1.842 m) nach Galtür. Auf diesem letzten Anstieg des Tages hatten wir nicht nur Steigungen von teilweise deutlich über 20% zu knacken, leider setzte auch der Regen ein, der bis zur Ankunft im Hotel in Galtür nicht aufhörte. Obwohl wir völlig durchnässt und ziemlich verdreckt eintrafen, wurden wir von der Hotelwirtin per Handschlag begrüßt. Eine Wanne für die schmutzige Sportkleidung stand schon bereit. Zwei Stunden später war alles wieder sauber und trocken – und alles als kostenloser Hausservice!

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Der 3. Tag startete wie der Zweite endete – mit Regen. Es ging von  Galtür über Samnaun nach Pfunds im oberen Inntal. Nach 13 km mussten wir in Ischgl einen technischen Halt einlegen. Der Rahmen eines Bikes war angebrochen, und der örtliche Dorfschmied  machte sich daran, diesen Schaden zu beheben. Um die knapp 3 Stunden Pause zu kompensieren, bot sich die Seilbahn hoch zur Idalpe auf 2.300 m geradezu an. Gut 800 Höhenmeter haben wir somit "ermogelt", aber der weitere Verlauf hoch zum Idjoch auf 2.750 m auf tiefen, lehmigen Wegen hat fast alle Reserven abverlangt. Oben angekommen nieselte es immer noch, die Aussicht war wegen Nebel praktisch gleich Null und die niedrigen Temperaturen vergraulten jeden Gedanken an eine Erholungspause.

Bei der Abfahrt vom Idjoch auf schotteriger Piste erwischte es dann leider einen von uns. Manfred ging kopfüber vom Rad und verletzte sich dabei so schwer, dass er die Tour nicht fortsetzen konnte. Glücklicherweise konnte trotz des abgelegenen Ortes schnell Hilfe durch Arzt und Helikopter organisiert werden. Die verbliebenen Fahrer setzten dann – ziemlich benommen nach diesem Vorfall – die Fahrt direkt nach Pfunds fort. Passend zur Stimmung regnete es bis zum Eintreffen im Hotel ununterbrochen. Doch am Abend gab es Gott sei Dank Entwarnung. Wir konnten mit Manfred telefonieren, und  er klang trotz seiner Verletzungen schon wieder ziemlich optimistisch.

Der nächste Morgen begrüßte uns mit Sonnenschein, und mit der Stimmung ging es wieder bergauf. Die vierte Etappe führte uns über Scuols vorbei an den Engadiner Alpen über den Pass da Costainas (2.251 m) in das schweizerische Müstair im schönen Münstertal. Bei andauernd perfekten Bedingungen genossen wir die tollen Panoramen der Engadiner Bergwelt, hatten Murmeltiere in Sichtweite und konnten auf der Abfahrt zum Ziel erstmalig in der Ferne den schneebedeckten Ortler sehen. Am Ende der Etappe erwartete uns dann noch die Kunde, dass Manfreds Zustand den Umständen entsprechen gut sei.

Etappe 5 sollte mit über 2.200 Höhenmetern die Königsetappe der Tour werden. Von Müstair ging es über den den Umbrail-Pass hinauf zum Stilfser Joch – mit 2.757 m auch das Dach unserer Tour. 21 Kilometer lang ging es stetig bergauf – viel Arbeit, aber oben erwartete uns eine grandiose Aussicht. Jede Menge Motorrad- und Rennradfahrer gaben sich dort oben ein Stelldichein. Wir als Mountainbiker sind dort – den Blicken nach zu urteilen –wohl eher Exoten. Weitere Belohnung der Quälerei bergauf war  die anschließende Schussfahrt nach Bormio, wo wir uns zur Pause bei sommerlich milden Temperaturen italienischen Kaffeegenüssen hingaben. Der letzte Etappenteil, immerhin nochmal knapp 700 Höhenmeter auf 14 Kilometern, führte uns nach Santa Caterina am Fuße des Gavia-Passes. Am Abend dominierte erstmalig Pizza unseren Speiseplan – Italien war erreicht.

Am nächsten Tag wartete der Gavia-Pass, der auf 2.618 Metern westlich an den Ortler-Alpen vorbeiführt und häufig der höchste Punkt des Giro d'Italia ist. Gleich vom Hotel ab ging es über 13 km stetig bergauf. Oben angekommen wärmten wir uns mit heißem Tee und bewunderten die Fotos von Giro-Teilnehmern in kurzen Radtrikots, die sich durch Tiefschnee am Gavia kämpften. Wir hatten es da deutlich besser. Auf der rasanten Abfahrt bis hinab nach Pezzo wurde es mit abnehmender Höhe immer milder. Ab Pezzo ging es nun wieder aufwärts, durch ein altes Bergdorf hoch zum Refugio Bozzi und weiter auf den 2.613 m hohen Forzellina de Montozzo. Die letzten Meter waren derart steil, dass selbst langsames Schieben die letzten Kraftreserven verschlang. Belohnt wurden wir durch einen traumhaften Blick in ein riesiges einsames Hochtal mit imposanten Panoramen im Hintergrund – für viele von uns einer der schönsten Anblicke der Tour. Zielort dieser Etappe war Mezzana. Beim recht späten Eintreffen trafen wir vor dem Hotel auf eine kleine Menschentraube – dies waren tatsächlich fahrradverrückte Italiener, die vom Hotelchef von unserer Ankunft erfahren hatten und sich unsere Etappenzieleinfahrt nicht entgehen lassen wollten.

Etappe 7 führte uns von Mezzana am Westrand der Brenta-Gruppe nach Stenico. Bei traumhaftem Wetter ging es zunächst auf Waldwegen aufwärts. Nach Überwindung des ersten Auffahrt gönnten wir uns eine Pause im sonnigen, aber im Sommer fast ausgestorbenen Ski-Weltcup-Austragungsort Madonna di Campiglio. Weiter ging es,  wieder aufwärts bis auf 1.850 Meter, wobei der letzte Kilometer nur schiebenderweise zu bewältigen war. Oben erwartete uns jedoch die Belohnung in Form traumhafter Ausblicke auf die phantastische Bergwelt der westlichen Dolomiten. Den Rest dieser Etappe ging es dann nur noch bergab, zunächst auf gut fahrbaren Singletrails, dann auf breiteren Schotterpisten und schließlich auf traumhafter Straße entlang am Lago di Ponte Pia bis vor die Haustür des Hotels in Stenico. Der Tag wurde abgerundet durch ein leckeres Abendessen in einer traditionellen italienischen Gaststätte.

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Die achte Etappe, ursprünglich mit mehr als 80 km und nochmals 1.900 Höhenmetern geplant, wurde angesichts des traumhaft sommerlichen Wetters auf 42 km verkürzt, um am Nachmittag nach der Zielankunft noch ein paar sonnige Stunden am oder auch im Gardasee genießen zu können. Trotzdem mussten wir noch ein letztes Mal zumindest knapp 1.200 Höhenmeter überwinden. Auch die verkürzte Etappe hat uns am Ende aber alles geboten, was man sich als Mountainbiker unter einer Ankunft am Gardasee vorstellt: Bereits 20 km vor dem Ziel, noch in ca. 900 m Höhe, hat man erstmalig den herrlich im leichten Dunst gelegenen Lago im Blick. Mit leichtem Gefälle führt einen der Weg weiter Richtung Riva, bis man kurz vor Ankunft auf 300 m Höhe einen traumhaften Ausblick über Stadt und See genießen kann. Das letzte Stück in den Ort geht es auf den engen und steilen Serpentinen des Radweges direkt auf den zentralen, am Wasser gelegenen Piazza Catena. In der warmen Nachmittagssonne wurde die Zielankunft gebührend begossen. In den ruhigen Minuten danach ist wohl jeder von uns in Gedanken noch einmal die hinter uns liegenden Erlebnisse der letzten Tage durchgegangen. Dabei dachten wir auch an unseren verunfallten Mitfahrer, dem es nicht vergönnt war, diesen schönen Moment mit uns zu erleben. Schön, dass er bereits am nächsten Tag in Innsbruck zu uns stoßen würde, um die Rückfahrt mit uns anzutreten.

Schon voller Glückshormone legten wir schließlich die letzten drei Kilometer bis zum Hotel im Nachbarort Torbole zurück. Die Fahrt im gemütlichen Tempo entlang der Uferpromenade mit dem Gefühl der völligen Zufriedenheit wirkte fast wie eine Droge.

Ausgiebig wurde der Abschluss der Transalp am Abend in Riva bei einem gemeinsamen Abendessen gefeiert. Endlich musste bei der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme nicht mehr auf körperliche Anforderungen des nächsten Tages Rücksicht genommen werden.

Die Zugfahrt von Revereto über München nach Hamburg führte uns nochmals bei strahlend blauem Himmel durch die wunderschöne Bergwelt etwas östlich von unserer Route. Manfred stieß wie geplant in Innsbruck zu uns, äußerlich noch ziemlich lädiert, aber mental schon wieder fast der Alte, und ließ sich von der Tour berichten.

Rückblickend wird diese Transalp sicher für alle als ein sportlicher und touristischer Höhepunkt, aber auch als Gruppenerlebnis besonders positiv in Erinnerung bleiben.

Dank gilt auch Arne und Ulla, die nicht nur zuverlässig das Sportgerät an- und abtransportiert haben und alle Hotelformalitäten erledigten, sondern auch während der Tour unser Gepäck transportiert und jeweils zur Ankunft schon auf die Zimmer verteilt hatten - nach den harten Etappen ein besonders schätzenswerter Service!

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